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Körperorientierte Traumatherapie

Körperorientierte Traumatherapie arbeitet mit sparsamer Berührung, feinfühliger Kontaktanbahnung, Wahrnehmen von Grenzen sowie behutsamer und achtsamer Kommunikation, welche geprägt ist von Langsamkeit. Es wird darum gehen,  dysregulierten inneren Zuständen in einer Weise zu begegnen, welche die Regulationsfähigkeit des Organismus stärkt: Ressourcen aktivieren, in Kontakt kommen mit innerer und äusserer Sicherheit, sich neu orientieren lernen und damit die Qualität der Kontaktes zu sich selber und anderen vertiefen.

Die Fragen, die uns dabei begleiten werden sind: Wie entsteht Gesundheit? Welche Vorgänge stecken hinter Entwicklungs- und Schocktraumata? Wie löst man die traumatische Dysregulation im Nervensystem? Wie wird Lebensqualtität und innere Teilhabe am Leben möglich?

Das Bedürfnis nach erfüllender Begegnung und behaglicher Intimität besteht in jedem Menschen. Menschliches Miteinander braucht Tiefe und gefühlten Kontakt. Leben aus der eigenen Originalität und Identität, gehalten zu werden von Präsenz und Bewusstsein und sich mit der eigenen Aufmerksamkeit in Ressourcen zu vertiefen, tut gut.

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Trauma

Im Leben gibt es Ereignisse, die in den vielfältigen Formen verletzend oder schockierend sind. Ob diese Geschehnisse traumatisierend sind, d.h. in besonderer Weise im Nervensystem der erlebenden Person abgespeichert werden, hängt nicht nur vom Ereignis ab, sondern vor allem auch davon, wer es erlebt, denn:

Menschen sind verletzlicher für Traumatisierung, wenn ihnen wenig psychische und physische Ressourcen zur Verfügung stehen und wenn ihr Nervensystem vorbelastet ist. Neueste Forschungen zeigen, dass je sicherer unsere Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit waren, desto resilienter (d.h. widerstandsfähiger) sind wir gegen eine Überlastung unseres Nervensystems durch Ereignisse, die wir als „zu schnell“ oder „zu viel“ empfinden.

Im Ideal sind unsere Selbstregulationsfähigkeiten so gut, dass wir nach traumatisierenden Ereignissen nach einer Weile wieder „in unserer Mitte“ landen. Häufig finden Menschen allerdings nicht so bald ihr inneres Gleichgewicht wieder, sondern entwickeln Symptome, die sie vielleicht erst einmal gar nicht mit dem Geschehnis in Verbindung.

Wie wird jemand traumatisiert?

a) schockartig

Schockartige Traumatisierung geschieht meist unvorbereitet, kommt also überraschend und unvorhergesehen. Das Ereignis ist in diesem Moment zu stark (z.B. ein Aufprall), zu schnell und überwältigend. Die Schock-Energie bleibt in diesem Fall „im Körper stecken“.

b) langsam, schleichend, wiederholt

Die zweite und wahrscheinlich häufigere Art der Traumatisierung geschieht langsamer als das Schocktrauma: sie geschieht mehrfach, sich über längere Zeit entwickelnd und meistens im Kontakt mit Bezugspersonen. Dementsprechend spricht man von Entwicklungstrauma bzw. Beziehungstrauma.

Eine spezielle Form von Entwicklungstraumata sind Bindungstraumata: Das Nervensystem eines Neugeborenen ist noch nicht vollständig ausgebildet, daher kann ein Neugeborenes seine Erregungszustände noch nicht selber regulieren und modulieren. Für die Regulation von Erregung braucht das Baby den Kontakt mit einer Bezugsperson, die es durch Körperkontakt im Falle von zu großer Aufregung beruhigt – und dem Baby in anderen Situationen das richtige Maß an Anregung durch Kontakt, Ansprache, Blickkontakt bietet. Nach und nach erlernt das Kind in diesem engen Kontakt mit der Bezugsperson (bzw. den Bezugspersonen), Emotionen im Körper zu halten, ohne in eine Übererregung zu gehen.

Gab es zu wenig von diesem guten Kontakt mit zumindest einer Bezugsperson, befindet sich das Nervensystem des Kindes in einer dauerhaften Überregung und wird in der Folge die Welt durch die „Brille“ dieses nicht flexiblen und gesund entwickelten Nervensystems erleben, was es verletzlicher macht.

Neueste Forschungen zeigen jedoch: unser Gehirn und unser Nervensystem sind lernfähig. Das heißt, dass Selbstregulationsfähigkeit im therapeutischen Prozess und durch den Kontakt mit verlässlichen Bezugspersonen (Therapeut/innen, Beziehungspartner/innen) „nachgelernt“ werden kann und wir dadurch bereits erlebte Traumata besser integrieren können bzw. widerstandsfähiger gegen zukünftige Belastungen werden können.

Körper und Instinkt

Die instinktiven Körperreaktionen bei großer Gefahr beinhalten drei Überlebensstrategien: Kampf, Flucht und Totstell-Reflex (sog. Immobilität oder Erstarrung).

Diese drei Strategien sind fast allen Säugetieren gemeinsam: Die unbewussten, instinktiv-körperlichen Reaktionen auf große Gefahr laufen bei Menschen nach denselben Jahrtausende alten Mustern wie bei anderen Säugetieren ab.

Was geschieht, wenn wir uns bedroht fühlen?

Wenn wir uns in Gefahr wähnen, versuchen wir uns zu orientieren um die Gefahr einzuschätzen. Erleben wir eine Situation als (Lebens-)Bedrohung, mobilisieren wir all unsere Energie für eine Flucht (sich retten) oder einen Kampf (sich wehren). Diese Entscheidungen sind auf Basis unserer Vorerfahrungen instinkt- geleitet und gehen somit an unserem rationalen Denken vorbei.

Hier zeigt sich deutlich, dass unsere Vorerfahrungen starken Einfluss auf unsere Reaktionen haben: Wie schnell fühle ich mich bedroht? Erlebe ich mich in dieser Bedrohung als überlegen (und bin deswegen bereit zu kämpfen?) oder als unterlegen (und bereite mich darum vorrangig auf die Flucht vor?) – oder habe ich in Überwältigungssituationen als einzigen Ausweg das „Totstellen“ als überlebenswirksam erlebt und wählt mein Körper deswegen automatisch diesen Weg?

Überwältigung
Ist ein negatives Ereignis überwältigend, so dass wir weder kämpfen noch fliehen können, werden die Reflexe (Kampf oder Flucht) zwar aktiviert, kommen aber nicht zur effektiven, erfolgreichen Ausführung. Als letzte „Strategie“ bleibt nur der Totstell-Reflex (eine Art vorübergehende Erstarrung).

Dieser Reflex – den wir ebenfalls mit den Säugetieren gemeinsam haben – passiert im Moment der höchsten Not. Er geschieht unwillkürlich, d.h. von selbst und aus dem Körper heraus, ohne Beteiligung des Denkens. In diesem Moment der Todesangst wird die höchst aktivierte Energie des Körpers plötzlich „eingefroren“ und der Körper erstarrt.

Dieser Erstarrungszustand, den der Körper im Moment der Überwältigung quasi als Notausgang genutzt hat, wäre eigentlich nur vorübergehend. Wenn alles gut geht, und die Gefahr vorüber ist, wird das erstarrte Nervensystem nach und nach wieder erwachen und während dieser „Aufwachzeit“ die Energie entladen.